Der Aufstieg Wiens, damals noch ein römisches Truppenlager namens "Vindobona" zur Residenzstadt der Babenberger, verdankt die Stadt nicht nur der günstigen Verkehrslage, sonder auch dem damaligen Wildreichtum der ausgedehnten Wälder. Auch das nächste Herrschergeschlecht, die Habsburger, wussten über Jahrhunderte den Vorteil des Jagdbanns der Hauptstadt zu nutzen. Zahlreiche Jagdschlösser im Weichbild der Stadt legen noch heute von der Leidenschaft, dem Wild nachzustellen, Zeugnis ab.

Wenn man die Jagdgebiete Wiens betrachtet, so verteilen sich diese heute räumlich auf die Bezirke 2., 10., 11., 13., 14., 16., 17., 19., 21., 22. und 23. Das Jagdkataster der MA 58 - Wasserrecht, weist ein Gesamtjagdgebiet von 17.233,825 ha aus. Für so ein kleines Bundesland wie Wien eine beachtliche Fläche, die jedoch relativiert wird, wenn man sie etwas genauer unter die Lupe nimmt.

Die Jagdfläche der Bundeshauptstadt teilt sich in 19 Eigen- und 13 Gemeindejagdgebiete (entsprechen den nö. Genossenschaftsjagden) auf.

Die Bezeichnung der Eigenjagdgebiete erfolgt mit dem Großbuchstaben A, der römischen Ziffer nach der Nummer des Bezirkes in dem das Jagdgebiet gelegen ist und einer fortlaufenden Nummer, je nach dem, wie viele Jagdgebiete es im Bezirk gibt. Sollte ein Grundeigentümer mehrere Reviere in einem Bezirk besitzen, werden die Revierbezeichnungen noch zusätzlich mit kleingeschriebenen Druckbuchstaben versehen.

Die Gemeindejagdgebiete werden mit einem großen G, der römischen Ziffer des Bezirkes und eventuell einer nummerischen Unterzahl, falls mehrere Gemeindejagdgebiete in einem Bezirk vorkommen, versehen.

Historisch kann man beobachten, dass in manchen Bezirken schon Jagdgebiete in der logischen Reihenfolge fehlen, die durch Verbauung vernichtet wurden und zur Ausübung der Jagd nicht mehr geeignet waren. Speziell in den Bezirken 14. und 19. war der Jagdflächenverlust in Wien nach dem 2. Weltkrieg am ehesten spürbar. Heute setzt sich dieser Trend im 21. und 22. Bezirk fort, aber auch die Jagdgebiete im Süden Wiens sind von ehrgeizigen Siedlungsprojekten bedroht.

Von der Gesamtjagdfläche stehen ein Gemeindejagd und zwei Eigenjagdgebiete, auf denen die Jagd zu 100% ruht, für die ständige Jagdausübung nicht zur Verfügung. Es sind dies die Gemeindejagd G II - Leopoldstadt und die Eigenjagden der Stadt Wien A X - Wienerberg und A XXII/2a - Donauinsel. In diesen Arealen ist aufgrund des Ausflugverkehrs eine reguläre Jagdausübung nicht mehr möglich. Hier könnte eine Jagdausübung (Zwangsabschuss) nur mehr über behördlichen Auftrag mittels Bescheid erfolgen. Die demensprechende Absicherungsmaßnahmen wären selbstredend.

Ebenso sind in anderen Eigenjagden in Summe auf 1.243,046 ha und in den Gemeindejagden 2.615,474 ha in Wien also gesamt 3.858,521 ha an Jagdruhensfläche ausgeschieden.

Der Wiener Teil des Nationalparks Donauauen verringert die Jagdfläche für die Allgemeinheit um 2.386,339 ha, da aufgrund des gesetzlichen Auftrages im Nationalpark grundsätzlich die Jagd eingestellt wurde. Nur wo der Mensch noch regulierend eingreifen muss, geschieht dies durch Organe der Nationalparkverwaltung. Das heißt, es wird nur noch Schalenwild erlegt. jedoch unter Vorgaben eines Managementplanes. Alle anderen Wildarten, wie Niederwild oder Raubwild werden bereits seit 1996 (Gründungsjahr) nicht mehr bejagt.

Im Westen Wiens liegt mit 2.376,282 ha ein nicht minder bedeutendes Sonderschutzgebiet, das ebenso als Jagdgebiet ausgewiesen ist : Der Lainzer Tiergarten - Einst historischer Jagdpark des Kaiserhauses, für seinen Wildreichtum bekannt, der vor dem 1. Weltkrieg hauptsächlich dazu diente, die Schießfertigkeit der Erzherzöge zu perfektionieren, ist er heute Naherholungsgebiet der Wiener Bevölkerung.

Aber er ist ebenso Teil des Biosphärenparks Wienerwald, Natura 2000 Gebiet und Vollnaturschutzgebiet. Dass hier die Jagd aufgrund des Schutzgebietcharakters und des großen Ausflugsverkehrs nur unter besonderen Einschränkungen möglich ist, erscheint logisch.

Wenn man die Siedlungsstruktur Wiens betrachtet, kann der Fachmann erkennen, in welchen Jagdgebieten die Ausübung noch relativ uneingeschränkt möglich ist. Viele Gemeindejagdgebiete aber auch Eigenjagdgebiete sind von Erholungssuchenden so überflutet, dass eine Pirsch oder ein Ansitz nur mehr am zeitigen Morgen oder bei Nacht Erfolg verspricht. Die Abhaltung von Treibjagden wird zum "Lotteriespiel", ob sie ohne Störfall zu Ende geführt werden können. Kontrollen durch die Exekutive, die von aufgebrachten Passanten alarmiert wurden, gehören ohnehin zum Treibjagdalltag.

Die Statistik zeigt uns, dass zirka ein Drittel des Wildes durch Kraftfahrzeuge ums Leben kommt und somit als wertvolles Nahrungsmittel ausscheidet. 300 Autos je 1000 Einwohner fordern einen hohen Blutzoll unter unserem Wild auf den Straßen. Zwar versuchen wir Jäger mit Biotopschutzmaßnahmen lebensraumverbessernde Aktionen, speziell für das Niederwild zu setzen. Dies erscheint bei einer Betrachtung der Stadtkarte Wiens wie "der Tropfen auf dem heißen Stein". Trotzdem ist es wahrscheinlich der einzige gangbare Weg, gemeinsam mit der Landwirtschaft strukturverbessernde Maßnahmen zu setzen und so letzte Lebensräume im Stadtgebiet Wiens für unser Wild attraktiv zu gestalten und ihm somit eine Überlebensbasis am Rande der Metropole zu geben.

Doch leider sehen Aussichten für die Zukunft nicht rosig aus. Der Kfz-Verkehr wird weiterhin zunehmen. Die Siedlungsgebiete innerhalb Wiens werden kontinuierlich wachsen. Damit wird zwangsläufig der Druck auf die verbleibenden Grüngebiete der Stadt und somit auch auf die Jagdgebiete größer werden.

Bis zur nächsten Jagdgebietsfeststellung ist es wahrscheinlich, dass es in Wien nicht mehr 13 Gemeindejagdgebiete gibt und dass die Jagdruhensfläche deutlich größer wird.

Es wird an uns Jäger liegen, das Verständnis für die "Sache Jagd" so zu verkaufen, dass wir auch weiterhin bei der Bevölkerung akzeptiert und toleriert werden. Wir sollten diese Chancen nicht ungenutzt lassen.

 

von BJM OFR DI Schreckenender Andreas

(Stand 1.1.2014)

 

 

So heißen Wiens Eigenjagden:

A X               

-Wienerberg

A XIII/1a     

-Lainzer Tiergarten

A XIII/1b    

-Purkersdorf-Weidlingau

A XIV/1a     

-ÖBF Kasgraben

A XIV/1b

-ÖBF Sophienalpe

A XIV/1c

-ÖBF Eichberg Ost

A XIV/2a

-Dornbach Stift Schotten

A XIV/3a

-Hadersdorf

A XVI

-Ottakring-Satzberg

A XVII

-Neuwaldegg

A XIX/1a

-Grinzing-Sievering

A XIX/2a

-Kahlenbergerdorf/Stift Klosterneuburg

A XXI

-Langenzersdorf/Stift Klosterneuburg

A XXII/1a

-Obere Lobau

A XXII/1b

-Untere Lobau

A XXII/2a

-Donauinsel

A XXIII/1a

-Kalksburg Dr. Stockert

A XXIII/2a

-Mauer Kalksburg

A XXIII/2b

-Breitenfurt-Rodaun

Gemeindejagdgebiete Wiens:

G II

-Leopoldstadt

G X/1

-Oberlaa Stadt

G X/2

-Rothneusiedl

G X/3

-Unterlaa

G XI

-Simmering

G XIX

-Döbling

G XXI/1

-Leopoldau

GXXI/2

-Stammersdorf

G XXII/1

-Aspern

G XXII/2

-Breitenlee

G XXII/3

-Eßling

G XXII/4

-Süssenbrunn

G XXIII 

-Liesing

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