Die Heiligen der Jagd

Für das Überleben war es in der Geschichte notwendig, auf der Jagd erfolgreich zu sein. Daher gab es in fast allen Kulturkreisen Götter, Geister oder sonstige höhere Wesen, die der Jäger um Schutz, Hilfe oder Fürsprache bitten konnte, bzw. kann. Im christlichen Kulturkreis sind dies der Heilige Hubertus und der Heilige Eustachius.

Jagdgottheiten der Griechen und Römer

Bei den Griechen der Antike war die Göttin Artemis (bei den Römern später Diana) die Göttin der Jagd. Sie ist die Mond- und Fruchtbarkeitsgöttin, die jungfräuliche Jägerin, die Göttin der Tiere, des Waldes und damit auch der Jagd. Zudem gilt sie als Schützerin der Fremden und Rechtlosen. Ihre Attribute sind Bogen und Köcher, Mondsichel im Haar. Ihr Tier ist eine Hirschkuh, ihre Pflanze ist die Mistel. Sie war die Tochter von Zeus und Leto und gehörte zu dem Kreis der olympischen Götter. Sie lebte in Wäldern und unbehausten Gegenden mit ihren ungebundenen Gefährtinnen, den Nymphen und ließ keinen Mann in ihre Nähe kommen.

Aktaion, der sie unfreiwillig beim Baden überraschte, bekam ihre grausame Rache zu spüren. Die von Zeus verführte Kallisto wurde aus ihrem Kreis verbannt. Artemis rächte ihre Mutter Leto an Niobe, die Leto beleidigt hatte. Zusammen mit Apollo tötete Artemis die Niobiden mit ihren Pfeilen. Doch nicht immer war ihr Eingreifen von gleicher Unerbittlichkeit. Als Iphigenie von Agamemmnon geopfert werden sollte, verwandelte Artemis sie in eine Hindin (junge Kuh). Artemis galt als Schutzgöttin der jungen Mädchen in allen Angelegenheiten vor ihrer Heirat.

Dianakult bei den Germanen

Die römischen Legionäre brachten Diana auch zu den Germanen, die bis dahin keine Gottheit der Jagd verehrt hatten. Vor allem an der Mosel und an den Ardennen war der Dianakult sehr verbreitet und noch bis in das siebente Jahrhundert wurden der Göttin Tieropfer dargebracht.

Mit dem Fortschreiten der Christianisierung war man bestrebt, den Dianakult auszumerzen. Doch die Göttin der Jagd scheint unsterblich zu sein. Sie lebt in den Werken der großen Meister wie Corregio, Tizian, Lucas von Cranach, Tintoretto, Vermeer und Rubens weiter.

Jagdheilige der Christen

Die Christen glauben nur an einen Gott, daher sind bei uns für die verschiedenen Lebensbereiche als Heilige, Schutzpatrone und Fürsprecher zuständig. In Europa wurden und werden seit fast 2000 Jahren mehrere Heilige als Schutzpatrone der Jagd verehrt, einige davon sind wieder in Vergessenheit geraten: In Frankreich verehrte man bis zum 10. Jahrhundert den heiligen MARTIN und den heiligen GERMANUS VON AUXERRE als Jagdheilige. In Frankreich lebte auch der aus Griechenland stammende heilige AEGIDIUS, auch SAINT GILLES genannt, der nicht nur Schutzpatron der Jagd war, sondern auch von den Ständen der Steiermark zum Landespatron erwählt wurde. In den osteuropäischen Ländern gilt der heilige IWAN (auf Deutsch der heilige JOHANN) als Beschützer von Jagd und Jägern. Die europäischen Falkner verehren den heiligen BAVON, der einst in Belgien lebte, als ihren Schutzpatron, im Osten wird er vom heiligen TRIFFON abgelöst. Und auch die Parforce-Jäger haben einen eigenen Fürsprecher, nämlich den heiligen VENANTIUS, von dem nur wenige Überlieferungen erhalten sind. Vielleicht handelt es sich um den jagdfreudigen Dichter und Bischof Venantius Fortunatus, der im Jahr 600 in Poitiers starb.

Aus frühern Jahrhunderten sind uns einige Bilder erhalten geblieben, die einen (meist knieenden) Jäger darstellen, dem ein Hirsch mit einem Kruzifix zwischen den Geweihstangen erschienen ist. Eines der bekanntesten ist das Bild von Albrecht Dürer aus dem Jahre 1498. Die meisten von uns Jägern meinen sicher, dass diese Darstellung den Heiligen HUBERTUS zeigt, in diesem Fall ist es - wie in den meiste Fällen - der Heilige EUSTACHIUS, der heute nur mehr wenig bekannt ist.

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