04.09.2015 12:11

Zum Schutz des Niederwildes

Kategorie: Verband, Wissenswertes
Damit sich die Niederwilddichte erholen und auch steigen kann, bedarf es einiger notwendiger Maßnahmen.

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Die Situation der Feldhasen in Österreich ist derzeit gebietsweise sehr unterschiedlich zu bewerten: Gebiete mit erfreulichen, gesicherten Beständen und auch in Abhängigkeit der Witterung steigenden Beständen stehen solchen gegenüber, die trotz Bemühungennoch immer keine bejagbare Niederwilddichte aufweisen. "Damit sich die Niederwilddichte in einem Gebiet erholen kann, muss man die Einflussfaktoren berücksichtigen", sagt Paul Weiß, Lektor an der  Universität für Bodenkultur in Wien (BOKU) sowie an der Universität Wien. "Das sind die Biotopausstattung, das Raubwild- und das Bejagungsmanagement."

Nicht vergessen darf man den Einfluss der Witterung. "Später Schneefall und lange andauernde Nasskälte reduzieren die Aufzucht der Junghasen in Mai und Juni dramatisch", erklärt Weiß. Um die größtmögliche Wirkung zu erzielen, sollten diese Maßnahmen ineinandergreifen. Wichtig ist natürlich, die  Bejagungsintensität an die entsprechenden Zuwächse anzupassen. Als problematisch sieht Weiß die Raubwildregulation. In vielen Revieren, in denen jahrelang aufgrund niederer Niederwildbestände auf die Jagd verzichtet wurde, ist die Raubwildregulation teilweise zum Erliegen gekommen. "Räuber wie Füchse, Marder, Aaskrähen und Dachse sind hochintelligente Tiere. Die zu überlisten bedarf es einiger Übung", erläutert Weiß. Andererseits reicht eine Raubwildregulation alleine bei schlechter Biotopausstattung mit großen Feldern und wenig Differenzierung nicht aus.

UBB-Maßnahmen für mehr Biodiversität

Um lebenswichtigen Lebensraum für das Niederwild zu schaffen, soll bis 2020 die sogenannte "UBB-Maßnahme" (umweltgerechte und biodiverstitätsfördernde Bewirtschaftung) umgesetzt werden. Sie verfolgt das Ziel, die tierische und pflanzliche Vielfalt in unserer Kulturlandschaft zu erhalten bzw. zu erhöhen. Betriebe ab zwei Hektar Acker- und Grünlandfläche haben fünf Prozent dieser Flächen als "Biodiversitäsflächen" anzulegen. In der Praxis sieht das so aus, dass in den Revieren viele kleine Streifen angelegt und mit ganzjährigen Biodiversitätsmischungen angesät werden. Diese Flächen bieten Bodenbrütern wie Wachtel, Lerche und Rebhuhn Deckung und sind Äsungs- und Brutfläche. Die ausgesäten Mischungen sind ganzjährig, was nicht nur den Vorteil hat, dass die angelegten Streifen im Frühjahr und im Sommer schön blühen und Schutz bieten, sondern sich die Vögel im Winter z. B. bei den Sonnenblumen und bei der Hirse die Körner herauspicken können. Der frostharte Marktstammkohl dient als Winterdeckung. Unter seinen großen grünen Blättern können Fasane und Rebhühner Schutz vor dem Schnee suchen.

Gemeinsam für die gute Sache

Die besten Ergebnisse werden jene Regionen erzielen, in denen die Biodiversitätsflächen gut verteilt sind und wo für die Streifen auch Gebiete mit guter Bonität ausgewählt wurden. Wichtig ist, dass die Jäger gemeinsam mit den Landwirten daran arbeiten, genug Hegefläche für das Niederwild zu schaffen: Die Landwirte stellen die Flächen zur Verfügung, und die Jäger achten darauf, dass die UBB-Flächen gleichmäßig im Revier verteilt sind. Für die Umsetzung der UBB-Maßnahme erhalten die Landwirte eine Prämie. Auch die Mithilfe der Bevölkerung ist notwendig, damit das Projekt gelingt. "Die Biodiversitätsstreifen dienen u. a. als Brutplätze. Insofern sind Information für bzw. Verständnis von der Bevölkerung immens wichtig, damit die Tiere hier nicht gestört werden und z. B. Hunde an der Leine geführt werden", sagt Weiß.

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