27.08.2015 10:26

Heute an morgen denken

Kategorie: Wissenswertes, Verband
Die Stellung von Jägerschaft und Jagd könnte besser sein. Zielgerichtete Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit für die nicht jagende Bevölkerung sollen zu einem Imagewechsel in der Öffentlichkeit beitragen.

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Unsere Gesellschaft hat sich in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts stark verändert. Dieser massive gesellschaftliche Wandel hat auch Auswirkungen auf die Jagd. Mit seiner Studie "Jagd in Diskussion. Die Zukunft der Jagd" prophezeit Werner Beutelmeyer, Geschäftsführer des Marktforschungsinstituts market in Linz und Professor für Marketing und Werbung, der grünen Zunft keine so rosige Zukunft.

Dass das Image der Jagd besser sein könnte, steht auch für die von jagd-wien.at befragten Experten außer Frage. Trotzdem sind sie zuversichtlich, was die Zukunft der Jagd betrifft, und bringen Verbesserungsvorschläge.

Image der Jägerschaft

Die Jägerschaft stellt in der Gesellschaft eine Minderheit dar. Wie die nicht jagende Bevölkerung diese Minderheit wahrnimmt, hängt von deren Verhalten ab. "Solange wir, wenn auch vereinzelt in Gattern, die einen weit überhöhten Wildbestand aufweisen, Riegeljagden durchführen, wird uns selbst die der Jagd positiv gegenüberstehende Bevölkerung nicht für glaubwürdig halten", argumentiert Gerhard Sontag, Jäger und ehem. Professor für Lebensmittelchemie.

Verschlechtert werde das Image der Jäger zudem durch verbale, oft heftige Auseinandersetzungen mit anderen Naturnutzern. Vereinzelte negative Meldungen – z. B. über einen Jagdunfall – in den Medien beeinflussen ebenfalls die Meinung der breiten Masse. Einseitige Berichterstattung und unzureichende Recherche der Journalisten tun ihr Übriges. "Hinzu kommt, dass die unterschwellige Angst vieler Menschen vor Waffen und die Abneigung gegen das Töten ebenfalls zu einer Ablehnung der Jagd führen", ergänzt Johann Schorsch, Bezirksjägermeister in Wien. "Dabei vergessen die Menschen, dass jedes Fleisch, das sie konsumieren, von toten Tieren stammt."

Bekanntlich ist Wildbret aufgrund seiner Zusammensetzung ein äußerst wertvolles Lebensmittel, das einem kontrollierten Produktionsablauf unterliegt. Nach der Erstbegutachtung durch den Jäger beurteilt eine "kundige Person" oder Tierarzt das erlegte Tier. Verarbeitung und Vermarktung erfolgen durch den Jäger selbst oder durch einen Betrieb. Somit lässt sich der Produktionsweg lückenlos verfolgen. Aufgabe der Jäger ist es, gerade in Hinblick auf ein zunehmendes Gesundheitsbewusssein der Bevölkerung die Werbung für Wildbret und dessen Vermarktung zu forcieren.

Verbreiteter Naturegoismus

Forstwirte und Jäger sehen sich auch zunehmend mit einem Naturegoismus von anderen Naturnutzern konfrontiert. David Jandl, Förster und Jäger bei der Stadt Wien, kennt das Problem sehr gut. Gerade die Bejagung in der Stadt ist äußerst schwierig und komplex. "Unsere Aufgabe ist es, die Erhaltung und Verbesserung der Naherholungsräume mit den Aspekten des Naturschutzes zu vereinbaren. Neben den Aufgaben der Land- und Forstwirtschaft fällt auch jagdliches Management in unseren Bereich", sagt Jandl, dessen Revier u. a. mit dem Ottakringer Wald mehrere stark frequentierte Erholungsbereiche der Stadt Wien miteinschließt.

Problematisch sei, dass sich die Interessen der Jagd nicht zu 100 Prozent mit jenen anderer Naturnutzer vereinbaren lassen. Denn gerade in den Erholungsgebieten sei permanent mit Beeinträchtigungen in der Jagdausübung zu rechnen. Die urbane, Erholung suchende Bevölkerung könne man laut Jandl in zwei Gruppen einteilen. Zum einen wären das jene Menschen, die den Wald als Erholungsgebiet sehen. Jandl: "Diese Gäste verhalten sich sehr korrekt und beeinflussen mit ihrem vorbildlichen Verhalten auch andere Erholungsuchende positiv."

Zur zweiten Gruppe zählt er jene, für die die Natur eher Mittel zum Zweck ist. Im Vordergrund steht für diese Menschen nicht das Naturerlebnis an sich, sondern die sportliche Betätigung. Jogger, Mountainbiker, Wanderer und Hundebesitzer nützen die Natur mit einer Selbstverständlichkeit, die letztendlich zulasten der Wildtiere und der Natur geht. Zum anderen sei zu beobachten, dass die urbane Bevölkerung der Jagd äußerst kritisch gegenüberstehe, voreingenommen sei und die Jagd auch als Bedrohung wahrnimmt. "Menschen wollen nicht wahrhaben, dass wir Jäger eine wichtige Aufgabe bezüglich des Wildtiermanagements zu erfüllen haben", sagt Jandl.

Das macht sich in fehlendem Verständnis, etwa für jagdliche Einrichtungen wie Hochstände oder Kirrungen, bemerkbar. "Schade finde ich, dass vielen Menschen das Verständnis für diese Dinge fehlt und sie z. B. auf Hochstände hinaufsteigen. Das ist einfach nicht in Ordnung", beklagt Jandl. Auch frei laufende Hunde uneinsichtiger Hundebesitzer stellen ein Problem dar, weil sie die Fallwildzahlen in die Höhe treiben. Von Hunden gehetzte Rehe verenden oft aufgrund von Überanstrengung. Hier ist gerade in Zeiten, in denen ein Gros der Bevölkerung der Jagd kritisch gegenübersteht, Aufklärung besonders wichtig.

Wichtige Aufgaben der Jagd

Die Jagd ist eine sinnvolle Tätigkeit, die auf eine nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen hin ausgerichtet ist. Jagdausübungsberechtigte und Jagdaufsichtsorgane sorgen für einen gesunden Bestand jagdbarer und nicht jagdbarer Wildtiere und kümmern sich um Lebensraumverbesserungen, die für Pflanzen und Tiere vorteilhaft sind. "Auf die Jagd zu gehen ist für uns Jäger nicht nur eine Passion, sondern eine Notwendigkeit", sagt Johann Schorsch. "Ohne Jäger gibt es kein Wild. Der bedingungslose Tierschutz, wie er von vielen Menschen propagiert wird, ist in Bezug auf Wildtiere unangebracht. Fehlen natürliche Feinde, müssen die Jäger die Bestände regulieren", betont Schorsch. Wertvolle Arbeit leistet die Jägerschaft auch bei der Erhaltung der Biodiversität durch eine nachhaltige Nutzung von Tieren und Pflanzen.

Die Zukunft der Jagd in unseren Händen

Um das Image der Jäger zu verbessern, sind die Landesjagdverbände aufgefordert, professionelle Informationsarbeit zu leisten und moderne Medien für ihre Kampagnen zu nützen. Damit sprechen sie auch jüngere Menschen an, die in Zukunft Meinungsbildner sein werden. Ein wichtiger unkt wird auch die Ausbildung zukünftiger Jungjäger sein. "Wir brauchen eine lernfähige Jägerschaft mit einer gewissen ethischen Grundeinstellung, die respektvoll mit dem Wild und der Natur umgeht, aber auch im Sinne einer nachhaltigen Jagd gegenüber der immer kritischeren urbanen Bevölkerung auftritt", sagt Gerhard Sontag.

Zudem muss ein Bewusstsein in der Öffentlichkeit dafür geschaffen werden, dass jagdliche Hege, die Anlage von Biotopen, Hecken und Äsungsflächen auch Flora und Fauna bereichern und zum Naturschutz beitragen. Wie sich das Image der Jagd in den kommenden Jahren verändern wird, liegt daran, ob sich die Jägerschaft den vielfältigen Herausforderungen stellt.

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