06.08.2015 09:28

Der Ton macht die Musik

Kategorie: Verband, Wissenswertes
Bei der Rotwild- und der Rehwildjagd ist das Wissen um die Unterschiede des Brunftrituals entscheidend.

Das typische Röhren des Platzhirsches ist während der Brunft häufig zu vernehmen. ©Photohunter/fotolia.com

Wenn die Tage länger werden und die Sonne heiß vom Himmel brennt, beginnt einer der Höhepunkte im Jagdjahr: die Brunft. Zwischen Rehwild und Rotwild gibt es entscheidende Unterschiede. Diese beginnen bereits bei der Brunftzeit.

Die Rehbrunft startet Ende Juli beziehungsweise Anfang August, während die Brunft beim Rotwild Ende August und Anfang September zu erwarten ist. Die Hochbrunft dauert vier bis fünf Tage, danach flaut sie wieder ab. Die Brunft kann einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen in Anspruch nehmen. Der Höhepunkt der Rehwildbrunft ist nicht so gut erkennbar wie jener beim Rotwild.

Konkurrenzverhalten

Bezirksjägermeister Günther Annerl klärt auf: "Aufgrund des Sozialverhaltens verläuft die Rehwildbrunft anders als die Rotwildbrunft. Das Rotwild neigt eher zu Rudelbildung. Es gibt einen Platzhirsch und eine unbestimmte Anzahl an Beihirschen, welche dem Platzhirsch das Rudel streitig machen." Der Rehbock wiederum duldet in seinem Revier die jungen Böcke und verteidigt es gegen gleich starke Konkurrenten. Zudem gibt der Rothirsch in der Brunft spezielle Laute von sich, während beim Rehwild die Geiß spezielle Fieptöne erzeugt, um den Rehbock anzulocken.

Das richtige Blatteln

Eben diesen Fiepton machen sich Jäger bei der sogenannten Blattjagd zunutze. Zwischen Juli und August ist Bezirksjägermeister Günther Lauscher intensiv in seinem Revier unterwegs, um zu "blatteln". "Nachdem die Geiß den Bock durch spezielle Töne angelockt hat, beginnt das Treiben. Dabei laufen Bock und Geiß stundenlang im Kreis, bis die Geiß beschlagungsbereit ist", erklärt Lauscher.

Mittels spezieller Blattinstrumente, wie zum Beispiel einem hölzernen Pfeifchen, versucht der Jäger das Fiepgeräusch der Geiß nachzumachen. "Man beginnt mit leisen, zarten Tönen und macht davon drei bis sieben Wiederholungen. Zwischendurch werden immer wieder Pausen eingelegt. Wenn man gleich zu Beginn laut wird, kann man den Bock vergrämen", warnt Lauscher.

Geißfiep, Kitzfiep und Sprengfiep

Prinzipiell unterscheidet man zwischen Geißfiep, Kitzfiep und Sprengfiep. Wenn der Bock bereits bei der Geiß steht, lässt er sich mit dem Geißfiep nicht mehr so leicht weglocken. Dann kommt der Kitzfiep zum Einsatz. "Es handelt sich um den gleichen Ruf, nur höher. Die Geiß und das Kitz kommunizieren so miteinander, vor allem, wenn das Kitz in Gefahr ist", sagt Lauscher. Wenn man den Ruf des Kitzes nachmacht, suggeriert man der Geiß, dass ihr Junges in Gefahr ist. Diese läuft dann in die Richtung des Fieptons und bringt mit etwas Glück auch den Bock mit.

Beim Sprengfiep wiederum handelt es sich um einen "Angstschrei". Er bedeutet, dass die Geiß vom Bock zu sehr bedrängt wird. Ein rivalisierender Bock könnte auf diesen Ton neugierig werden. "Er funktioniert gut, weil der Ruf laut und über weite Strecken zu hören ist", versichert Lauscher.

Gegen Ende der Brunftzeit sind weniger Geißen unterwegs. Daher ist man bei älteren Böcken um diese Zeit erfolgreicher. Dann bewegen sie sich auf der Suche nach einer Geiß auch in andere Gebiete.

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