28.07.2015 13:25

Bitte nicht berühren

Kategorie: Wissenswertes
Beim Auffinden eines verletzten Jungtieres ist von Selbstversuchen dringend abzuraten. Die Versorgung darf nur ein Fachkundiger übernehmen.

© Fotolia.com - brm1949

Wer in der Frühsommersonne Erholung im Wald oder auf der Wiese sucht, dem kann es passieren, dass er auf ein scheinbar verlassenes junges Wildtier trifft. In einem ersten Impuls möchte man dem allein gelassenen Tier zu Hilfe eilen, es vielleicht sogar mitnehmen, um es von einem Tierarzt untersuchen zu lassen oder es zu Hause selbst zu versorgen.

In einer Aussendung der MA 60, dem Magistrat für Veterinärdienste und Tierschutz der Stadt Wien, wird ein Appell an alle Spaziergänger und Wanderer gerichtet. Demnach wird dringend davon abgeraten, die Jungtiere zu berühren.

Falsch verstandener Tierschutz

Susanne Lorenz von der MA 60 ist der Meinung: "Es kommt immer wieder vor, dass die Jungtiere durch falsch verstandenen Tierschutz in Gefahr geraten." Von Hasen, Rehkitzen oder Vögeln, welche ohne mütterliche Aufsicht aufgefunden werden, soll man sich laut Lorenz "nicht täuschen lassen". Denn: Nur selten sind junge Wildtiere tatsächlich von den Eltern verlassen. "Für Jungtiere ist es völlig natürlich, dass sie nur einmal pro Tag von der Mutter aufgesucht werden", so Lorenz. Vor allem Jungvögel sind oft alleine unterwegs.

Hans Spießlechner vom Forstamt der Stadt Wien ist sich sicher: "Vor allem Rehkitze und junge Feldhasen lassen sich zu dieser Jahreszeit vermehrt finden. Andere Jungtiere folgen in der Regel ihren Elterntieren." Laut Spießlechner liegen jedoch die meisten Frischlinge in den ersten Tagen nach der Geburt in einem sogenannten Wurfkessel und werden von ihrem Muttertier argwöhnisch bewacht. Ein Fund ist daher eher die Ausnahme.

Trotzdem ist zu beachten, dass die Mitnahme der jungen Tiere durch den Menschen für diese sogar tödlich enden kann. Denn ein Rettungsversuch bedeutet für die Kleinen vor allem eines: sehr viel Stress.

Wer braucht wirklich Hilfe?

Besonders wichtig ist es, die Jungtiere nicht zu berühren. Lorenz: "Die Mütter von Jungtieren werden vom menschlichen Geruch abgeschreckt und verstoßen dann ihren Nachwuchs." Also sollte man sich nach dem Auffinden von Jungtieren schnell wieder entfernen, um das Muttertier nicht von der Versorgung ihres Nachwuchses abzuhalten.

Nur offensichtlich verletzte Tiere oder Jungtiere, welche in direkter Nähe zu ihrem toten Muttertier aufgefunden werden, brauchen tatsächlich Hilfe. In diesem Fall bittet Lorenz, sich vorab bei der MA 60, beim Kooperationspartner der MA 60 oder beim Wiener Tierschutzverein über die richtige Vorgangsweise in der geschilderten Situation zu informieren.

"Generelle Angaben über die richtige Verhaltensweise lassen sich leider nicht geben, in vielen Fällen wird hier wohl ein Einsatz der Tierrettung notwendig sein", so Lorenz. Die Versorgung soll also nur einer fachkundigen Person überlassen werden, von Selbstversuchen ist dringend abzuraten.

Hotlines

Wer offensichtlich verletzte Jungtiere oder Tiere findet, die sich in direkter Nähe zu ihrer toten Mutter befinden, wird ersucht, eine der folgenden Stellen zu kontaktieren:kontaktieren:

  • Tierschutz-Helpline der MA 60: 01/4000 80 60 oder
  • Wiener Tierschutzverein: 01/699 24 50

 

 

Medieninhaber und Herausgeber: Wiener Landesjagdverband Anschrift: Stadioncenter Olympiaplatz 2, 4.OG. Top 4/7 A-1020 Wien
, Tel.: +43(0)1-548 49 99 Fax: +43(0)1-548 49 99