19.08.2015 12:08

Auf den Leim gegangen ...

Kategorie: Verband, Wissenswertes
Zahlreiche Redewendungen aus unserem alltäglichen Sprachgebrauch haben ihren Ursprung in der Jägersprache. Hier ein kurzer Einblick in ihre Herkunft und ihre Bedeutung.

Spitzen Sie die Löffel: Nicht wenige Redewendungen stammen aus der Jägersprache. ©fotolia.com

Einen eminenten Teilbereich des jagdlichen Brauchtums stellt die Weidmannssprache mit ihren Fachausdrücken dar. Dieser Fachjargon beschreibt in präziser und meist sehr bildlicher Art die Beobachtungen des Wildes. Durch ihre gekonnte Verwendung setzt man sich von jagdlichen Laien  ab und drückt ein Zusammengehörigkeitsgefühl unter seinesgleichen aus.

Die Sprache der Jäger hat sich in vielen Jahrhunderten entwickelt und zahlreiche, heute gebräuchliche Redewendungen, die unseren modernen Wortschatz mit bildhaften Metaphern bereichern, entstammen der Jägersprache oder gehen auf die Jagdpraxis zurück. Die Fülle dieser Redensarten lässt erahnen, welchen Stellenwert die Jagd in früheren Tagen in unserem Alltag einnahm. Da die Jägersprache unter den Lesern ja hinlänglich bekannt ist, soll dieser kurze Artikel einen Exkurs zu heute gebräuchlichen Redewendungen und ihrer Herkunft bilden.

So ein Sauwetter!

Der Ausdruck "in die Binsen gehen" geht auf die jagdliche Praxis zurück. Wasservögel halten sich am Rande von Gewässern auf, die oft mit Binsen bewachsen sind. Wird ein Stück geschossen und es wird weder von Jäger noch Hund gefunden, ist es buchstäblich in die Binsen gegangen. Etwas "durch die Lappen gehen lassen": Dieser Ausdruck stammt von den sogenannten Lappjagden. Hier wurden über Kilometer Leinen gespannt und mit Lappen behängt, um das Wild daran zu hindern, den Bereich der Treibjagd zu verlassen und es direkt vor die Schützen zu treiben. Ließ sich das Wild allerdings nicht von den Lappen lenken und konnte durchbrechen, ging es also durch die Lappen. Die Lappjagd war eine gängige Jagdmethode, die dem Wild jedoch wenige Chancen bot, zu entkommen.

Mit Leim eingestrichene Ruten wurden schon in der Steinzeit zum Vogelfang verwendet. Geht man jemandem "auf den Leim", ist man auf eine List hereingefallen. Bekanntlich werden des Hasen Ohren als Löffel bezeichnet. Vernimmt ein Hase Gefahr, verharrt er kurz und lauscht mit gespitzten Löffeln angestrengt, woher die Bedrohung kommt. Im alltäglichen Gebrauch bedeutet die Aufforderung, "die Löffel zu spitzen", genau hinzuhören.

Apropos Hase: Auf der Flucht sind ältere Tiere gegenüber den jüngeren Artgenossen im Vorteil, denn ein "alter Hase" weiß genau, wie er am besten entkommt. Bei Luntenschlossgewehren, wie sie im 15. Jahrhundert verwendet wurden, konnte das Wild den Geruch der verbrannten Lunte wahrnehmen. Es hat somit "Lunte gerochen" und konnte der Gefahr entkommen. Auch heute riecht man noch Lunte, wenn man eine Sache seltsam findet. Wer "einen Bock schießt", kann nicht selbstverständlich einen jagdlichen Erfolg verzeichnen. Denn ebenfalls im 15. Jahrhundert war es bei Schützenfesten Brauch, dem schlechtesten Schützen einen Ziegenbock als Trostpreis zu überreichen. Und das oft zitierte "Sauwetter" ist bekanntlich die erfolgversprechendste Zeit, um Schwarzwild zu jagen.

Zahlreiche weitere Redensarten liegen der Jägersprache zugrunde: sich drücken, auf den Busch klopfen, von etwas Wind bekommen, Federn lassen, Fallstricke legen, aufscheuchen, jemanden hochgehen lassen, die Hörner abstoßen, auf dem Holzweg sein, mit allen Hunden gehetzt, verludert, durch die Maschen schlüpfen, jemanden aufs Korn nehmen, auf die Schliche kommen, auf die Sprünge helfen, zur Strecke bringen, vor die Hunde gehen, eine Sache abblasen.

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