Sie sind hier: Naturraum > Wildtiere > Schalenwild > Gamswild
DeutschEnglishFrancais
08:52 07.02.2012

"Kletterkünstler"

Gämse c) codesven, flickr.com
Gämse c) codesven, flickr.com

Gämse (Rupicapra rupicapra)

Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Ziegenartige (Caprinae)
Gattung: Gämsen (Rupicapra)
Art: Gämse 

Jägersprache - Gamswild
Schonzeit

Gamskitz

Gamswild

Die Gämse (Rupicapra rupicapra)(vor der Rechtschreibreform "Gemse"), ist eine in Europa und Kleinasien beheimatete "Wildziege". Sie ist ein hevorragender Kletterer und lebt im Hochgebirge an der Waldgrenze (ab 1800 - 2000 Meter).

Allgemeines

VERBREITUNG: Nordamerika, Europa und Asien, in Teilen der südasiatischen Inselwelt in etwa 20 Unterarten.

LEBENSRAUM: Sie lebt in den höheren Bereichen der Gebirge (800-2500 m), wobei den Kernlebensraum die Krummholzzone bildet. Im Sommer meist im Gebirge, im Winter in den Wäldern.

BEZEICHNUNGEN: Männchen: Gamsbock, Weibchen: Gamsgeiß, Jungtier: Gamskitz, innerhalb der Jägersprache gibt es viele weitere Ausdrücke.

MERKMALE: gedrungen und kräftig gebaut, mit ziemlich schlankem Hals, kurzem, nach der Schnauze hin stark verschmälertem Kopf, mit spitzen Ohren von nahezu halber Kopfeslänge, langen, starken Füßen, weit spreizbaren Klauen ("Schalen"), die in steilen Felswänden festen Halt bieten und auf Schnee das Einsinken vermindern. Beide Geschlechter tragen nach hinten unten gekrümmte hakenförmige Hörner, die an der Wurzel geringelt sind. Farbe des Felles: Im Sommer rötlich graubraunes, im Winter dunkleres Fell. 

GEWICHT: 30 bis 50 Kilogramm

LEBENSWEISE: Weibchen und Jungtiere leben in Herden zu 15 bis 30 Tieren. Die soziale Bande ändert sich mit den Jahreszeiten. Im Sommer ist sie sehr intensiv; ein Tier der Herde ist zu dieser Zeit stets als Wächter abgestellt und warnt die anderen bei Gefahr durch einen Pfiff. Böcke leben einzelgängerisch und suchen erst im Spätsommer eine Herde auf.

PAARUNGSZEIT (Brunftzeit): November, Dezember

SETZZEIT: Ende Mai oder Anfang Juni

LEBENSERWARTUNG: Die Gamsböcke erreichen ein Alter von 15 Jahren, die Weibchen werden bis zu 20 Jahren alt.

NAHRUNG: Ihre Nahrung besteht aus jungen Trieben der Alpensträucher (Alpenrose, Erle, Weide, Wacholder, Kiefer) sowie aus Kräutern, Blätter und Gräsern, im Winter auch aus Moos und Flechten.

GESCHLECHTSREIFE: Die Geiß ist ab dem 4. Lebensjahr fortpflanzungsfähig und setzt im 5. Lebensjahr das erste Kitz.

TRAGEZEIT: ca. 6 Monaten

ANZAHL DER JUNGEN PRO WURF: ein, selten zwei oder drei Junge

FEINDE: Eine große Bedrohung für Gämsen ist die schlechte Witterung während er Setzzeit (kalt und naß), sowie harte Winter mit sehr, sehr viel Schnee. Der einzige tierische Feind der Gämse ist der Steinadler. Feind Nummer eins ist der Mensch, der ihre Lebensräume im Gebirge durch Forstwirtschaft (Forststraßen, Zergliederung der Lebensräume) und Freizeitnutzung (Bergtourismus) zerstört. 

BEDROHUNG UND SCHUTZ: Wildkrankheiten wie die Gamsräude und anderen parasitären Erkrankungen. Die Gämse wird gejagt, sie ist (noch) nicht bedroht.

SCHÄDEN DURCH GAMSWILD: Wildverbiß im Schutzwald

BEDEUTUNG FÜR DEN MENSCHEN:

  • Das Fleisch der Gämsen ist wohlschmeckend und wird hoch geschätzt
  • Das Fell gibt schönes Leder (Handschuhe etc.)
  • Die Hörner dienen zu Stockgriffen
  • Die Haare auf dem Widerrist als Hutschmuck (Gamsbart), die Gamskrucken als Trophäe
  • Bezoar oder Gamskugeln sind rundliche glatte oder rauhe, mehr oder weniger feste Objekte von unterschiedlicher Größe. Sie kommen im Verdauungstrakt von Wiederkäuern vor, insbesondere bei einer früher in Vorderasien und Griechenland weit verbreiteten Wildziegenart. Diesen Kugeln wurden früher wundersame Kräfte zugeschrieben.
  • Waldgämsen (Gämsen innerhalb der Waldzone) können besonders starke Verbissschäden verursachen
  • "Gamsig sein" bedeutet in der umgangssprachlich "jemanden stark sexuell zu begehren".