Steppenbewohner

- Feldhase c) donvandyke, flickr.com
Feldhase (Lepus europaeus)
Unterklasse: Höhere Säugetiere (Eutheria)
Überordnung: Euarchontoglires
Ordnung: Hasenartige (Lagomorpha)
Familie: Hasen (Leporidae)
Gattung: Echte Hasen (Lepus)
Art: Feldhase

- Feldhase im Herbst c) gruppiecat, flickr.com
Feldhase
Der Feldhase (Lepus europaeus) ist der häufigste Vertreter der Familie der Hasen. Er kommt in Europa und dem westlichen Asien (Türkei, Irak, Iran) sowie Nordafrika vor. Er ist in erster Linie ein Bewohner bebauter Steppengebiete.
Allgemeines
VERBREITUNG: Eurasien und Afrika. In den Alpen bis 1600 m. Im Winter tiefer. In Irland, sowie auf den meisten Nord- und Ostseeinseln erfolgreich eingebürgert, ferner in Sibirien, Nord- und Südamerika, Australien, Neuseeland, Karibik, Hawai und auf vielen anderen Inseln.
LEBENSRAUM: Steppenbewohner, der sich an die Kultursteppe angepasst hat. Benötigt jedoch Ausgleichsflächen, wie z.B. Feldgehölze, Gräben, Ruderalflächen oder lichten Wald.
BEZEICHNUNGEN: Männchen: Rammler, Weibchen: Häsin, Jungtier: Junhasen, Mehrere Junghasen: Satz, in der Jägersprache gibt es viele weitere Ausdrücke.
MERKMALE: Der Feldhase wird etwa 60 bis 70 Zentimeter lang, Ohren und Hinterbeine besonders lang. Ohren überragen nach vorne umgelegt die Schnauzenspitze. Augen groß. Schwanz oberseits schwarz. In trockenen Gebieten heller, in feuchten Gegenden und in Wäldern dunkler. Der dunklere "Waldhase" ist jedoch keine Rasse. Es handelt sich dabei lediglich um eine farbliche Adaption einiger Individuen.
ALTERSBESTIMMUNG: Das »Strohsche Zeichen« ermöglicht eine grobe Altersschätzung. Beim jungen Hasen ist oberhalb des Handwurzelgelenks eine Verdickung der Elle vorhanden. Man kann sie durch das Haarkleid ertasten, wenn man die Pfote im Gelenk etwas einknickt. Die verdickte Epiphyse wird mit zunehmendem Alter allmählich zurückgebildet.
GEWICHT: vier bis fünf Kilogramm.
LEBENSWEISE: Der Feldhase ist meistens ein Einzelgänger, der sich tagsüber in Hecken, Strauchwerk, Wald auch in hohem Gras verborgen hält. Wichtig ist für ihn der Windschutz. Der Hase liegt immer in einer Mulde (Sasse) mit dem Kopf gegen den Wind. Er ist ein Meister der Tarnung und flüchtet vor seinen Feinden, erst im allerletzten Moment. Daher ist auch die Stöberjagd mit Hunden die erfolgversprechendste Jagdmethode. Er ist durch seine langen Hinterbeine sehr flink; die Vorderbeine sind dagegen kurz. Er macht weite Sprünge, schlägt Haken und stellt sich auf der Flucht öfter auf die Hinterbeine. Auf der Flucht erreicht er Geschwindigkeiten von etwa 50 km/h (kurzzeitig sogar bis zu 70 km/h).
PAARUNGSZEIT: Jänner bis Juli
WURFZEIT: Februar bis Oktober, drei bis vier Würfe pro Jahr
LEBENSERWARTUNG: bis zu 12 Jahren
NAHRUNG: Gräser, Kräuter, Wurzeln, Früchte, Beeren, Pilze, Knospen, gelegentlich Insekten und andere Kleintiere. Benagt Knospen und Rinde verschiedener Waldbäume. Er hat scharfe Nagezähne; die gespaltene Oberlippe (daher rührt auch die Bezeichnung 'Hasenscharte' als eine Fehlbildung beim Menschen) erleichtert das Nagen.
GESCHLECHTSREIFE: mit 5 bis 8 Monate, die Häsin ist alle 38 Tage fruchtbar
TRAGEZEIT: ca. 42 Tage
ANZAHL DER JUNGEN PRO WURF: zwei bis fünf, Im Uterus können sich Embryonen unterschiedlichen Alters und in verschiedenem Entwicklungszustand befinden (Superfötation).
FEINDE: Neben dem Menschen sind die natürlichen Feinde Füchse, Dachse, Eulen und Greifvögel. Neben der Jagd fordert auch der Straßenverkehr seinen Anteil an Hasen. Für immer wieder auftretende Bestandsschwankungen sind auch die Witterung (naßes, kaltes Frühjahr, Parasiten und seuchenartige Krankheiten) verantwortlich.
BEDROHUNG UND SCHUTZ: wird bejagd, ist nicht bedroht.
BEDEUTUNG FÜR DEN MENSCHEN:
- Wohlschmeckendes Fleisch
- Viele Geschichten, Fabeln und Märchen weisen die Figur des Hasen auf. ("Der Wettlauf zwischen Hase und Igel"). In den Fabeln wird er als Meister Lampe, Lampe oder Mümmelmann.
- Die ständige Fluchtbereitschaft ist für ihn sprichwörtlich: Angsthase, Hasenfuß, Hasenherz. Ebenso weiß ein alter Hase Bescheid, so weiß er auch, wie der Hase läuft.
- Wegen der großen Fruchtbarkeit sind Hasen (und Kaninchen) seit alters her Symbole der Fruchtbarkeit (z.B. Osterhase, Osterei, in China: Mondhase). Aufgrund seines Rufes als Fruchtbarkeitssymbol ist der Genuss von Hasenfleisch durch Papst Zacharias im Jahr 751 verboten worden, um die angeblich dadurch entstehenden Triebe einzudämmen.
- Als Trophäe gilt der Hasenbart, der aus den Schnurrhaaren von vielen Hasen gesammelt und zu einer Rosette gebunden wird. Der Hasenbart wird als Hutschmuck getragen.
